Für die Kelten war Alban Hefin eines der vier Sonnenfeste im Jahreskreis. Es wird der Höhepunkt der Sonne gefeiert. Es ist der Zeitpunkt des längsten Tages und der kürzesten Nacht. Eine alte Überlieferung sagt, dass man in dieser Nacht die Feen und Elfen um das Feuer tanzen sehen kann.
Alban Hefin trägt auch die Namen Litha und Mittsommer und nach älterer Bezeichnung Alban Heruin. Alban Hefin bedeutet »Licht des Sommers / der Sonne« und Alban Heruin »Licht der Künste«. Es ist doch interessant, dass der Sommer in der kroatischen Sprache LJETO und im dalmatinischen Dialekt LITO heißt…
Alban Hefin wird um den 21.6. gefeiert, zur astronomischen Sommersonnenwende, welche in der Zeitspanne zwischen dem 20. – 23.6 liegt. Nach der Sonnenwende werden die Tage wieder kürzer, aber die Sonnenkraft verstärkt sich.
Die nördliche Halbkugel blüht in voller Pracht. Die Kräuter und Gräser sind üppig gewachsen und können geerntet werden. Die Früchte auf den Feldern und an den Bäumen wachsen und reifen. Es ist die Zeit der Fülle.
Die Bedeutung in der keltischen Kultur
Für die Kelten war Alban Hefin ein Dank- und Freudenfest. Im Mittelpunkt stand die Sonne und somit Lugh, der irisch-keltische Gott der Sonne und der Künste. (Weitere keltische Sonnen – und Feuergötter, je nach Region, waren u.a. Sol, Belenos, Grian). Lugh steht mit der Kraft des Feuers in der Blüte seines Lebens und erscheint als erwachsener, tatkräftiger Mann. Er schenkt der Erde die Wärme und das Licht für die Fruchtbarkeit und das Wachstum.
Aber auch die Mondgöttin Litha wurde am längsten Sonnentag gefeiert. Litha steht für Überfluss und Fruchtbarkeit, Macht und Ordnung, Balance und Ausgewogenheit. Zum Ausgleich zur sengenden Kraft des Sonnengottes wurde Litha als Mondgöttin mit der Bitte um Wasser angerufen. Nur das richtige Verhältnis von Sonne und Wasser lässt dem Schoß der Mutter Erde Fruchtbarkeit entsprießen.
Zu Ehren ihrer Gottheiten entfachten die Menschen riesige Freudenfeuer, es wurde viel gelacht, getanzt, gegessen und getrunken. Die Frauen haben Starkbier mit Kräuter gebraut, welches eine berauschende und aphrodisierende Wirkung gehabt haben sollte. Die Menschen waren meist nackt, sie fanden sich schön so wie sie sind und das haben sie auch gerne gezeigt.
Da in dieser Nacht der Übergang zwischen den Welten (Tote und Lebende, Fabelwesen, Feen, Elfen…) sehr dünn ist, haben vor allem die Druiden durch verschiedene Rituale einen Blick hinter die Schleier geworfen. Um sich dabei zu schützen, wurden »Schutzpflanzen«, wie z.B. Beifuß, Eisenkraut, Gundermann…, zum Gürtel geflochten, geräuchert und geraucht.
Aus Feldblumen wurden bunten Kränze geflochten, welche die Frauen auf den Köpfen getragen haben. An der Behausung wurden die Sträuße aus Holunderblüten, Beifuß, Gundermann und Johanniskraut gehängt. Das diente dem Schutz und Wohlstand.
Symbole und Traditionen
Das Feuer ist ein Symbol zu Alban Hefin. In einigen Gegenden werden brennende Räder die Felder herunter gerollt. Es werden Hügelfeuer entfacht und es gibt auch den Brauch über das Feuer zu springen, sich etwas zu wünschen, oder mit dem Liebsten gemeinsam durch den Sprung über das Feuer die ewige Verbindung zu besiegeln. Vor allem in Skandinavien ist Mittsommer das größte Fest im Jahr und wird mit großen Feuern sehr ausgelassen gefeiert.
Wasser, Quellen und Flüsse in der kürzesten Nacht aufzusuchen und ihnen Opfer, wie z.B. gesammelte Kräuter, darzubringen, um Schutz und Fruchtbarkeit zu erbitten oder darin zu baden, um Unglück und Elend abzuwaschen, ist eine alte Tradition. In manchen Gegenden werden am Abend vor Johannis (24.6.) Teiche, Brunnen, Flüsse … gereinigt, gesegnet und mit Blumen geschmückt.
Die rund um Alban Hefin gesammelten Kräuter haben eine besonders intensive Heilkraft. In vielen Gegenden werden in der Johannisnacht die aus 9 verschiedenen Kräutern bestehenden Johannissträußchen gepflückt, denen ein besonderer Schutz- und Heilwirkung nachgesagt wird.
Es zeigt sich, dass Alban Hefin von zwei Elementen regiert wird – dem Feuer und dem Wasser – was nicht verwunderlich ist, da beide Elemente wichtig für Fruchtbarkeit und Wachstum sind.
Themen zu Alban Hefin
Die Stimmung, die sich um die Sonnenwende herum ausbreitet, spiegelt sich in unserer Seele wider. In der Natur wird der Höhepunkt überschritten, das ist ein guter Anlass, nach dem Feiern auch über das eigene Leben und Sein nachzusinnen.
- Das Licht in uns und um uns herum, die Fruchtbarkeit und Fülle, der Übergang und die Vergänglichkeit des Lebens.
- Wie weit sind meine Ziele erreicht, wie bin ich vorangekommen?
- Was steht in meinem Leben im nächsten halben Jahr an, neue Ziele, Wünsche?
- Was kann ich loslassen, was kann zulassen?
- Meine Talente erkennen, ansehen und ehren.
- Welche Wege kann ich finden, in der Mitte meines Lebens mit der allmählich schwindenden Lebenskraft und Vitalität umzugehen.
- Ist der Höhepunkt unserer Leistungsfähigkeit das Ende der Entwicklung – oder vielleicht sogar erst der Anfang?
Text und Bild: Barbara Poetsch
Quellen:
Kaiser Martina, Der Jahreskreis, 11. Auflage, 2021
